Muskelkrafttraining und passiver Halte- und Bewegungsapparat.

 [aus Klaus Zimmermann: Gesundheitsorientiertes Muskelkrafttraining]

Aufgrund der untrennbaren Verbindungen sowie vielfältigen Wechselwirkungen zwischen aktivem und passivem Halte- und Bewegungsapparat ist davon auszugehen, daß Krafttrainingseffekte über die muskuläre Ebene hinaus gleichfalls die passiven Strukturen prägen.

Muskuläre Wirkungen auf Wirbelsäule und Gelenke.

Eine durch ein Krafttraining erreichbare harmonische Entwicklung der die Wirbelsäule und Gelenke umgebenden Muskulatur stellt eine unabdingbare Vorraussetzung für die Funktionsstabilisierung des passiven Halte- und Bewegungsapparates dar. Erst dadurch kann eine physiologische Körperhaltung und die muskuläre Absicherung von Wirbelsäule und Gelenken gewährleistet, sowie Haltungsfehlern und damit verbundenen vorzeitigen Verschleißerscheinungen bzw. Schädigungen von Wirbelsäule und Gelenken vorgebeugt werden. 

Als ein Beispiel für den negativen Einfluß von muskulärer Fehlfunktion sei auf die Verhältnisse im Becken- / Lendenwirbelsäulenbereich verwiesen. Eine relative Schwäche der das Becken aufrichtenden Bauch- und Gesäßmuskulatur in Verbindung mit einer Verkürzung des lumbalen Anteils der Rückenmuskulatur sowie der Hüftbeugemuskulatur (Dysbalance zwischen Bauch-/Gesäßmuskulatur einerseits und Rückenmuskulatur /Hüftbeugern andererseits) bewirkt eine Beckenkippung nach vorn und damit eine belastungsmechanisch ungünstige hyperlordotische Einstellung der Lendenwirbelsäule. Bedingt durch dieses muskuläre Ungleichgewicht kommt es zum Haltungsfehler "Hohlrücken" und der Gefahr des Entstehens von daraus resultierenden Haltungsschäden.

Wie verschiedene Studien zeigen, besteht eine indirekte Korrelation zwischen dem Funktionszustand der wirbelsäulensichernden Muskeln und dem Beschwerdebild der Wirbelsäule. Durch ein Muskeltraining, welches zur muskulären Stabilisierung der Wirbelsäule bzw. zum Abbau der muskulären Dysfunktionen beiträgt, kann selbst bei Rückenpatienten eine deutliche Reduzierung der Kreuzschmerzen erreicht werden, was die Bedeutsamkeit des Krafttrainings im Rahmen der Prävention unterstreicht. Bekannt ist auch, daß das Fehlen einer ausreichenden Muskelsicherung eine erhebliche Mehrbelastung verursacht. Durch ein gezieltes Auftrainieren der Muskulatur ist umgekehrt eine wirbelsäulenentlastende Wirkung zu erreichen. So konnte nachgewiesen werden, dass durch ein Training der Bauchmuskulatur die Druckbelastung auf die lumbalen Zwischenwirbelscheiben um etwa 30% reduziert und dadurch die Bandscheibenbeschwerden verringert werden konnten.

 

Joomla templates by Joomlashine